Welche Menschen, Orte oder Tätigkeiten haben dir geholfen, deine eigene Stimme wiederzufinden und dich Schritt für Schritt zu öffnen?
Mir haben vor allem Menschen geholfen, bei denen ich nicht jedes Gefühl erklären oder rechtfertigen musste. Mein Sohn Max gehört dazu. Durch ihn habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Grenzen deutlicher auszusprechen und auch dann eine Stimme zu behalten, wenn das Leben schwierig wird. Ebenso wichtig waren einzelne Freunde und Wegbegleiter, die mir zuhörten, Fragen stellten oder einfach da waren. Auch Menschen aus meiner Vergangenheit – selbst wenn sie heute nicht mehr unmittelbar an meiner Seite stehen – haben Spuren hinterlassen. Erinnerungen an Freundschaft, Liebe und seelische Verbundenheit zeigten mir, welche Worte lange in mir verborgen waren.
Bestimmte Orte halfen mir ebenfalls dabei, mich wieder zu öffnen. Berlin ist dabei ein wichtiger Ausgangspunkt. Dort liegen meine Wurzeln, meine Kindheit und viele Erinnerungen, die meine Sprache geprägt haben. Später wurden der Rhein, Koblenz und besonders Steg 6 zu Orten des Nachdenkens. Am Wasser konnte ich stehen bleiben, beobachten und meine Gedanken neu sortieren. Bewegung auf dem Rhein erinnerte mich daran, dass auch festgehaltene Gefühle irgendwann wieder ins Fließen kommen dürfen. Spaziergänge durch Städte, Dörfer, Wälder und entlang vertrauter Wege halfen mir, innere Zusammenhänge zu erkennen, ohne sofort eine fertige Erklärung finden zu müssen.
Die wichtigste Tätigkeit war und ist für mich das Schreiben. In Texten konnte ich zunächst das ausdrücken, was ich in einem direkten Gespräch nicht sagen konnte. Geschichten, Fragen, Erinnerungen und Bilder gaben meinen Gedanken eine Form. Aus einzelnen Sätzen entstanden Webseiten, Zeitungen, Bücher und ganze Projekte. Mit jedem Text wurde meine Stimme ein wenig deutlicher. Ich merkte, dass Sprache nicht perfekt sein muss, um wahr zu sein. Auch Musik spielte eine große Rolle. Manche Lieder fanden Worte für Gefühle, die ich selbst noch nicht benennen konnte. Bilder, Tarotkarten, Symbole und kreative Gestaltungen öffneten weitere Wege. Sie halfen mir, Empfindungen zunächst sichtbar zu machen, bevor ich sie aussprechen konnte.
Meine Stimme kam deshalb nicht in einem einzigen großen Moment zurück. Sie kehrte schrittweise wieder: durch Menschen, die mir Raum ließen, durch Orte, an denen ich atmen konnte, und durch kreative Tätigkeiten, in denen ich mich nicht verstecken musste. Heute weiß ich, dass Öffnung nicht bedeutet, jedem alles erzählen zu müssen. Es bedeutet, selbst entscheiden zu dürfen, wann, wie und gegenüber wem ich meine Gedanken und Gefühle ausspreche.






