Wie bleibe ich bei mir, auch wenn es schwierig wird?
Bei mir zu bleiben bedeutet nicht, dass mich nichts mehr berührt oder dass ich in schwierigen Situationen immer ruhig und gelassen reagieren muss. Es bedeutet vielmehr, den Kontakt zu meinen eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen nicht zu verlieren, während im Außen Unruhe entsteht. Gerade wenn andere Menschen Druck ausüben, Erwartungen stellen oder starke Gefühle in mir auslösen, neige ich vielleicht dazu, mich selbst zu übergehen. Ich versuche, die Situation schnell zu lösen, passe mich an oder übernehme Verantwortung für etwas, das nicht allein bei mir liegt. Bei mir zu bleiben beginnt deshalb mit einer kurzen Unterbrechung. Ich darf innehalten, atmen und wahrnehmen, was gerade tatsächlich in mir geschieht. Vielleicht spüre ich Traurigkeit, Wut, Angst, Enttäuschung oder Überforderung. Dieses Gefühl muss nicht sofort verschwinden. Es möchte zunächst erkannt und ernst genommen werden. Hilfreich ist die Frage: Was brauche ich jetzt? Manchmal lautet die Antwort Ruhe, Abstand, ein klares Nein, ein Gespräch oder einfach etwas Zeit.
Nicht jede Entscheidung muss in dem Augenblick getroffen werden, in dem andere eine Antwort erwarten. Ich darf sagen: „Ich muss darüber nachdenken“ oder „Ich kann das gerade nicht entscheiden.“ Damit schaffe ich einen kleinen Schutzraum zwischen dem äußeren Druck und meiner Reaktion. Bei mir zu bleiben heißt außerdem, zwischen meinen eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer zu unterscheiden. Ich kann mitfühlen, ohne alles zu übernehmen. Ich kann jemanden verstehen, ohne ihm automatisch recht zu geben. Ich darf helfen, ohne mich dabei selbst aufzugeben. Grenzen sind keine Ablehnung eines Menschen, sondern eine Form der Selbstachtung. Sie zeigen, wo meine Verantwortung endet und wo die Verantwortung des anderen beginnt. Auch der Körper kann mir helfen, wieder bei mir anzukommen.
Bewusstes Atmen, ein Glas Wasser, ein Spaziergang, Musik, Schreiben oder das Spüren der Füße auf dem Boden können die innere Anspannung unterbrechen. Solche einfachen Handlungen lösen nicht jedes Problem, aber sie geben mir Halt, bevor ich weiterhandle. Wichtig ist auch, freundlich mit mir zu sprechen. Schwierige Momente werden nicht leichter, wenn ich mich zusätzlich beschimpfe oder mir vorwerfe, zu empfindlich zu sein. Ich darf anerkennen, dass etwas gerade schwer ist und dass ich trotzdem mein Bestes gebe. Bei mir zu bleiben bedeutet nicht, alles allein bewältigen zu müssen. Manchmal gehört es zur Selbstführung, Unterstützung anzunehmen oder einen vertrauenswürdigen Menschen um Hilfe zu bitten. Innere Stärke zeigt sich nicht darin, niemals zu schwanken. Sie zeigt sich darin, dass ich nach einem schwierigen Moment wieder zu mir zurückfinde. Jeder bewusste Atemzug, jede klare Grenze und jedes ehrliche Gefühl kann ein Schritt zurück in meine eigene Mitte sein.
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